Theatiner Film, München

Kino-Informationen

Theatiner Film Theatinerstraße 32, 80333 München
Tel. 0 89 / 22 31 83
Webseite
Leinwände
1
Sitzplätze
164
Tonsystem
Dolby DIG

Theatiner Film, München – Kritik

Theatiner Foyer

Wer das Theatiner Filmtheater betritt, den begrüßt ein riesiges Plakat von Claude Sautets Nelly & Monsieur Arnaud, das über dem Foyer thront. An der Kasse löst man das Ticket für die (vermeintlich besseren) hinteren Plätze in den Reihen 10-17 oder das günstigere für die vorderen Reihen und hat in seiner Kategorie dann freie Platzwahl. Kein Thermopapier mit Werbung auf der Rückseite, sondern das gute alte blassgrüne Abrissticket von der Rolle. Auf dem Weg die Treppe hinab zum Kinosaal wandelt man an Plakaten von Robert Bressons Mouchette, Luis Buñuels Die Milchstraße und Luchino Viscontis Der Fremde vorbei.

Das Theatiner Filmtheater ist seit jeher erlesener Münchner Treffpunkt für Liebhaber des französisch-, italienisch- und spanischsprachigen Kinos – und das immer in der Originalfassung. Seit 2008 beherbergt das Haus die italienische Filmwoche „cinema! italia!“, die im vergangenen Jahr durch das spanischsprachige Pendant „Cinespañol“ ergänzt wurde.

Theatiner Saal

Der Filmkunst-Verleiher Walter Kirchner hat das Kino 1957 übernommen und in den 1960er Jahren unter anderem die Regisseure der Nouvelle Vague in Deutschland bekannt gemacht. Die hauseigenen Programmhefte haben früher unter anderem die legendären Filmkritiker Enno Patalas und Frieda Grafe geschrieben. An der Kasse kann man die neusten Ausgaben von epd Film und Film-Dienst erwerben, und unten an der Bar wird eine Auswahl anArthaus- Filmen auf DVD zum Kauf angeboten. Dafür aber kein Popcorn. Das Theatiner Filmtheater versucht eine cineastische Tradition weiter leben zu lassen, deren Nostalgie in diesen heiligen Hallen der Filmkunst zugleich allgegenwärtig ist. Deswegen lässt sich die Betreiberin Marlies Kirchner immer wieder auf Abenteuer ein wie die aktuelle Reihe „Kino der Kunst“, die Künstlerfilme von Rebecca Horn bis Pipilotti Rist zeigt, ergänzt um eine Einführung durch Experten aus Hochschulen und Museen.

Theatiner Eingang-001

Als würde es die Glanzzeit der Kinomoderne damit konservieren können, ist auch die unter Denkmalschutz stehende Ausstattung des Kinosaals noch original aus den 1950ern: Wände mit Holzvertäfelung, ein kleiner Seitenbalkon mit Messingbrüstung und durchgesessene Klappsessel, die auch – das gehört zum Kinoerlebnis des echten Filmliebhabers – ein wenig ungemütlich sind. In diesem Ambiente fühlt man sich immer ein bisschen wie ein Schüler von Henri Langlois, dem Gründer der Pariser Cinémathèque Française und cineastischen Ziehvater der Nouvelle Vague, der im Frühjahr 1968 durch eine monatelange, in den Pariser Mai mündende Protestbewegung der französischen Filmbranche gegen Entlassungspläne des Kulturministers gestützt wurde. Doch wenn man am Ende der Vorstellung die Treppe ans Tageslicht emporsteigt, wird man nicht etwa in eine 68er-Studentenrevolte gespült, sondern nur in das emsige Treiben einer der teuersten Einkaufsstraßen Deutschlands.

Kinoprogramm Theatiner Film, München

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